Nun hast Du alles hingeworfen. Es gab – nach drei guten Monaten – plötzlich Probleme in der Arbeit. Spät haben wir davon erfahren, wir sind aus allen Wolken, in denen wir zuvor schwebten, gefallen. Wir haben mit Dir geredet und geredet, haben versucht, dort Gespräche zu vermitteln, es gab Angebote von Deinem Chef, „noch eine Chance". – Nichts. Du wolltest nicht, nichts ändern, nichts umsetzen von der Kritik, die da gekommen war. Und mehr noch: Du willst ganz fort aus Deutschland, auf der Stelle. „Es ist entschieden.“
Wir sind ratlos. Traurig. Wütend. Die Arbeit ist weg, und so schnell wird da kein Flüchtling mehr eingestellt. Ausbildung, Einkommen, Krankenversicherung, sehr viel Unterstützung – alles in der Tonne. Auch die anderen Flüchtlinge, immer noch ohne Arbeit, schütteln den Kopf.
Ob Dich der Chef an irgendjemanden erinnert hat? An einen der Folterer aus dem libyschen Gefängnis, an den Fahrer durch die Wüste, die Aufseher in den Goldminen, wo du als Kind arbeiten musstest? Das wäre immerhin eine Erklärung. Wir werden es nie erfahren, und es spielt jetzt auch keine Rolle mehr.
Du ziehst weiter, wir waren auch nur eine Station auf Deinem Weg. Fraglich, ob es Dir in Frankreich besser gehen wird. Flüchtling – das ist vielleicht nicht nur ein Status, sondern auch ein Typus, ausgebildet in einem Leben, wie wir es uns einfach nicht vorstellen können. Der vielleicht Bindung und Einbindung als gefährlich empfindet? Wir jedenfalls werden Dich nicht so schnell vergessen, einen Sohn für ein halbes Jahr. 'Un café avec beaucoup de sucre' - aber mit einem sehr bitteren Nachgeschmack. Leb wohl!
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